Vor einiger Zeit war es die Hirn-, gegenwärtig ist es die Glücksforschung, die – bedeutsam im Singular, als gäbe es da keine internen Diskussionen! – zum Beleg vieler Thesen und Vermutungen herangezogen wird: „Die Glücksforschung aber sagt, dass…“
Immer wieder höre ich Leute darauf etwas barsch reagieren (und zuweilen bin ich selbst dabei): Das ist doch alles nicht neu. Viele Pädagogen haben schon lange gewusst und getan, was etwa Manfred Spitzer im Namen der Hirnforschung anmahnt: Lernen als Begreifen zu gestalten, als gemeinsames sinnliches Einüben und Ausprobieren. Etliche Theologinnen und Psychologen haben schon über Lebensqualität, Sinn und Glück diskutiert, als die Protagonisten der Glücksforschung noch ökonomische Nutzenmaximierungsmodelle durchrechneten. So what?!
Dennoch: Ich halte die neue Popularität von Glücks- und Hirnforschung für ein Indiz einer Aufweichung von Meinungsfronten, ein Indiz einer Aufweitung herrschender Paradigmen.
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