Spiritualität im Kommen?

Kapelle in Frunt

Bei Führungsmenschen scheint, wenn ich meinen Beobachtungen traue, das Thema Spiritualität im Kommen zu sein. Religion und Glaube sickern aus der Privatwelt in die Professionswelt und werden immer selbstverständlicher zum Thema. Es sind die alten Fragen nach den Wurzeln und den Visionen, nach dem, was jemanden prägt, und nach dem, was jemand hofft – auch über das Periodenziel hinaus. Was passiert da? Einige fragende Deutungen:

Kann es sein, dass es leichter wird, über Spiritualität zu reden, weil die großkonfessionellen Urteile, was richtig und was falsch sei, an Macht verloren haben? Menschen sind heute freier zu suchen und zu finden. Und zu finden gibt es nicht nur etwas im fernen Osten, sondern in den eigenen großen Traditionen.

Kann es sein, dass das Zerbrechen der großen Sicherheiten in Sozialstaat und Lebenslaufbahnplanung unter dem Flexibilitätsdruck Menschen viel mehr nach jenseitigen Quellen und Orientierungen Ausschau halten lässt, jenseits von Karriereversprechen und sozialen Netzen?

Kann es sein, dass die Versprechen von Geld und Position an Glanz verloren haben, dass der Preis an Verbiegung und Fremdbestimmung manchen zu hoch wird? Da ginge es um nichts anderes als um eine veränderte Definition von Lebenqualität, gefährlich für druckregulierte Systeme, die nur auf externe Anreize zu setzen gelernt haben: Was, wenn die Belohnungen nicht mehr ziehen?

1 Antwort zu „Spiritualität im Kommen?“


  1. 1 Belinda Romero Gil 20. September 2007 um 17.58

    Hallo Herr Dr. Grabenstein,

    die heutige Zeitqualität bringt idealistische, geistige und philosophische Anliegen in das private sowie berufliche Leben. Viele Menschen öffnen sich und sprechen frei über Spiritualität. Das Sinnen über das Weltgeschehen ist aber so alt wie die Menschheit selbst. Es hat schon immer Menschen gegeben, die sich zu Mystik und Spiritualität hingezogen gefühlt haben. Der Trend, sich noch stärker in dieser Richtung zu bewegen und auch beruflich davon zu profitieren ist nimmt deutliche Konturen an. Es ist eine Zeit, die sich ausgezeichnet für die Beschäftigung mit metaphysischem oder spirituellem Gedankengut eignet. Es ist eine gereifte Zeit im geschichtlichen, seelischen und genetischen Entwicklungsgang der Menschen.

    Auch wenn bisher nie Interesse in dieser Richtung gezeigt wurde, erwärmen sich plötzich immer mehr für Konzepte, die bislang als zu idealistisch verworfen worden sind. Die Gefahr zu doktrinär zu werden, besteht trotzdem nicht, da eine wachsende Toleranz der Standpunkte anderer sich entwickelt. In den Firmen wird es nur anders genannt. Die Notwendigkeit zur Innenschau, reflektiertem Verhaltenskultur und Menschlichkeit im Berufskontext wird mehr und mehr von den führenden Köpfen erkannt.

    Allgemein ist zu diesem Einfluß zu sagen, dass unter ihm neue Bereiche der Wahrheit, Liebe und die Tragweite der Tatsache entdeckt wird, daß das Universum viel komplexer und vielseitiger ist, als wir bislang angenommen haben.

    Herzliche Grüße,
    Belinda Romero Gil


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