Eine Coachkollegin hat in lockerer Runde vor einigen Tagen das Thema aufgebracht. Und bei mir offene Türen eingerannt. „Mich beschäftigt die Frage“, sagte sie, „ob manche Unternehmer und Führungskräfte gerade deswegen so erfolgreich sind, weil sie nicht über das nachdenken, was sie tun“.
Mich hat das an eine Äußerung Gerhard Schröders erinnert der – ich meine, es war nach dem Wahlkampf 2002 – sinngemäß gesagt hatte, während der Wahlkampagne müsse er alles geben, deswegen dürfe er auf keinen Fall darüber nachdenken, was er da mache. Reflexion, so habe ich Schröders Äußerung in Erinnerung, hätte seine Performanz und damit seinen Erfolg gefährdet.
Für Leute wie mich, die davon ausgehen (und damit ja auch ihr Geld verdienen), dass der reflexive Schritt zurück, der Blick auf den eigenen Weg, ja sogar die Erlaubnis zum Zweifel und zur Neuausrichtung zum nachhaltigen Erfolg eines Menschen oder eines Unternehmens beitragen, ist das eine nicht unerhebliche Anfrage.
Was mir sofort einleuchtet (und eine für mich angenehme Lesart der Schröder’schen Äußerung wäre): Es gibt bestimmte Lebensphasen, da musst du handeln, präsent sein und schnell, dich auf deine Intuition verlassen und konsequent weitergehen. Wahlkampf etwa. Oder die Umstrukturierung eines Unternehmens. Oder wenn das Ruder angesichts drohender Insolvenz herumgerissen werden muss. Da stehen keine Ressourcen für intensive Reflexionsprozesse zur Verfügung (… und trotzdem: Würden knappe, wertschätzende Auszeiten und Coachings nicht auch da guttun?).
Aber es gibt wohl auch andere Menschen und Lebenswege: Durchweg intuitiv, mit hoher Performanz, mit einem – wenn es gut geht – impliziten Ethos, mit großer Selbstgewissheit und rastloser Energie. Menschen, die ohne Beratung und Coaching ihren Weg gehen. Sich durchschlagen. Manchmal eben höchst erfolgreich. Ist das dann Glück? Oder eine andere Form der Professionalität, die mir als „Meisterdenker“ nur nicht zugänglich ist?
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