Archiv der Kategorie 'Angedacht'

Die Wissenschaft hat festgestellt…

Hirn- und Baumstrukturen ;-)Vor einiger Zeit war es die Hirn-, gegenwärtig ist es die Glücksforschung, die – bedeutsam im Singular, als gäbe es da keine internen Diskussionen! – zum Beleg vieler Thesen und Vermutungen herangezogen wird: „Die Glücksforschung aber sagt, dass…“

Immer wieder höre ich Leute darauf etwas barsch reagieren (und zuweilen bin ich selbst dabei): Das ist doch alles nicht neu. Viele Pädagogen haben schon lange gewusst und getan, was etwa Manfred Spitzer im Namen der Hirnforschung anmahnt: Lernen als Begreifen zu gestalten, als gemeinsames sinnliches Einüben und Ausprobieren. Etliche Theologinnen und Psychologen haben schon über Lebensqualität, Sinn und Glück diskutiert, als die Protagonisten der Glücksforschung noch ökonomische Nutzenmaximierungsmodelle durchrechneten. So what?!

Dennoch: Ich halte die neue Popularität von Glücks- und Hirnforschung für ein Indiz einer Aufweichung von Meinungsfronten, ein Indiz einer Aufweitung herrschender Paradigmen.
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Scheitern als Thema?

Gefällter Baum im Winter

In der letzten Zeit bin ich zwei Menschen begegnet, die – mindestens auf den ersten Blick – gescheitert sind. Einer ist erschöpft und ausgebrannt und hat sich aus dem Unternehmen entfernt. Eine andere ist nach vielen Jahren Geschäftsführung relativ aprupt ausgestiegen.

Bei beiden wird spürbar, dass sie sich befreit haben – von den Fesseln einer angespannten oder unerträglichen beruflichen Situation. Aber ich habe auch gemerkt, wie sehr beide sich fragen: Habe ich versagt? Bin ich gescheitert? Die durchgeschleiften Verletzungen der letzten Jahre tun immer noch weh. Und die Selbstzweifel sind greifbar: Bin ich zu weich für diese harte Businesswelt? Kann ich da noch mithalten? Wo ist mein Ort?

Ob es – neben individuellem und sehr persönlichem Coaching – hilfreich wäre, einen Ort zum Austausch von persönlichen Scheiterns- und Krisengeschichte zu haben? Um zu sehen, dass es anderen ähnlich gehen kann? Um gemeinsam zu klagen? Um nach und nach wieder auf die Beine zu kommen und einen Weg für sich zu finden, der passt – und der die Erfahrung des Scheiterns nicht überspielt? Wie könnte ein solcher gemeinsamer Ort aussehen?